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RZ-Online Artikelarchiv vom 23.04.2008

800 Pfadfinder belagerten die Rheinfels
15. Würzburger Singewettstreit wurde in diesem Jahr nach St. Goar verlegt - Beeindruckendes Konzert in der Stiftskirche - Lagerleben im Burggemäuer

800 Pfadfinder verlegten Würzburg an den Rhein: Die Rheinfelsstadt war Austragungsort eines Singewettstreits der besonderen Art.

ST. GOAR. "Würzburg ist eine schöne Stadt, aber wir würden uns freuen, wenn es künftig heißt ,St. Goarer Singewettstreit'!" Mit diesen Worten hieß Walter Mallmann, Bürgermeister von St. Goar und Schirmherr des 15. Würzburger Singewettstreites, der dieses Jahr aus organisatorischen Gründen in der Rheinfelsstadt stattfand, rund 800 Pfadfinder in der evangelischen Stiftskirche willkommen. Er ließ in seiner Rede keinen Zweifel daran, dass die Stadt und die Bürger den Pfadfindern jegliche Unterstützung gewähren, wenn sie sich entschlössen, ihren jährlichen musikalischen Wettstreit auch künftig in St. Goar auszurichten. Aus dem ganzen Bundesgebiet waren die Gruppen aus unterschiedlichen Bünden und Verbänden der Jugendbewegung zum Teil schon am Freitag nach St. Goar gereist. Auf dem Gelände der Burg Rheinfels schlugen die Mädchen und Jungen ihre Zelte auf. Diese Koten und Jurten bestimmten zwei Tage und Nächte das Bild der Burg ebenso wie Fahnen, Halstücher und Rucksäcke. Auf der Burg richteten die Teilnehmer und Zuhörer ihre Lager ein. Aus allen Zelten und Gewölben erklangen dazu Gesänge und Melodien - "unplugged", wie man heute sagt. Der Rauch der Lagerfeuer in den großen Zelten verzauberte das Burggelände zusätzlich; eine besondere Atmosphäre, die viele Tagestouristen faszinierte. Am Samstag um 17 Uhr begann in der Stiftskirche unterhalb der Burg der Singewettstreit. Deutsche Volks- und Fahrtenlieder, Selbstgeschriebenens und Selbstkomponiertes ebenso wie irische Widerstands-, russische Liebes- und französische Trinklieder präsentierten 14 Gruppen vor den Zuhörern in der übervollen Kirche. In drei Kategorien, unter und über 15 Jahre alte Sänger sowie "Stämme und Singekreise", also große Gruppen, wurde gewertet. In jeder Kategorie vergab eine sechsköpfige Jury aus verschiedenen Pfadfinderbünden drei Preise: Eine bedruckte Zeltplane mit dem Logo des Würzburger Singewettstreits 2008, ein Musikinstrument und eine CD, allesamt von Altpfadfindern und Geschäftsleuten gespendet. Auffallend war die hohe stimmliche Qualität und die perfekte Instrumentalisierung der teilweise bekannten Lieder. Auch das Arrangement und die Präsentation der Lieder beeindruckten die Zuhörer. Sichtlich bewegt sang auch Bürgermeister Mallmann beim gemeinsamen Einstieg in den Wettstreit zu "Die Gedanken sind frei" mit. Als am Schluss des Wettbewerbes alle Gäste aufstanden, sich die Hände reichten und aus 800 Kehlen das Abschiedslied aller Pfadfinder in der Welt "Nehmt Abschied Brüder" erklang, war jeder Zuhörer von der besonderen Atmosphäre gefangen. Nach drei Stunden zogen die Pfadfinder, Wandervögel, Jungenschaften, Wanderbünde und Freischärler im Alter von 6 bis 90 Jahren aus der Stadt wieder hinauf zur Burg. Bis spät in die Nacht wurde noch in den großen Zelten getanzt, und stimmungsvolle Lieder tönten aus dem Gewölbekeller der Burg. Am Sonntag um 11 Uhr war das Burggelände sauber und die Zelte wieder abgebaut. Wolfgang Pester (43) vom Christlichen Pfadfinderbund Saar und Markus Bachleitner (31) vom Pfadfinderring Bayern, Hauptorganisatoren der Veranstaltung, zogen ein positives Resümee: "Die Stadt, die Gemeinde, das Hotel und die Kirche haben uns sehr unterstützt, dafür ein riesiges Dankeschön! Viele Teilnehmer haben uns schon gesagt, dass sie den Austragungsort St. Goar beibehalten wollen", zog Pester am Sonntagvormittag Zwischenbilanz. Ob die Pfadfinder im nächsten Jahr wiederkommen, wird nach Auswertung der Rückmeldeblätter, die jeder Teilnehmer am Schluss der Veranstaltung ausfüllen und abgeben konnte, entschieden. Vielleicht liegt ja Würzburg künftig - zumindest in Pfadfinderkreisen - tatsächlich einmal im Jahr am Rhein in St. Goar. "Die seit 1991 zur Marke gewordene Bezeichnung ,Würzburger Singewettstreit' müsste deshalb nicht gleich abgelegt werden", sagte Pester.